Werben fürs Sterben auf der Berufsinformationsmesse in Bochum?

Bundeswehr ist kein normaler Arbeitgeber

Abenteuer, Technik, Zusammenhalt - mit diesen "Versprechen" wirbt die Bundeswehr gerade auch bei Jugendlichen. Doch so einfach ist die Sache nicht, finden die GEW Stadtverbände Bochum, Witten und Herne. Sie lehnen den Auftritt der Bundeswehr auf der Berufsinformationsmesse am 4./5. Mai in Bochum ab.

Foto: Hella Eberhardt

Stellungnahme der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW),
Stadtverbände Bochum, Herne und Witten,
zur Präsenz der Bundeswehr auf der Berufsinformationsmesse
am 4. / 5. Mai 2018 in der Jahrhunderthalle Bochum

Die Stadtverbände Bochum, Witten und Herne der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sehen die Werbung der Bundeswehr mit ihrem Stand auf der Berufsinformationsmesse in der Jahrhunderthalle nach wie vor im Widerspruch zu verantwortungsvoller Pädagogik und Berufsorientierung. Es trifft in der Bildungsgewerkschaft auf Unverständnis, dass man sich nicht – wie andere Städte – dazu durchringen konnte, den Auftritt der Bundeswehr zu verhindern.

Seit einigen Jahren gibt es heftige, kontroverse Diskussionen in Bochum und den Nachbarstädten um die Teilnahme der Bundeswehr an dieser Veranstaltung, die anfänglich immerhin dazu geführt hatten, dass bei Podiumsdiskussionen am Rande der Messe die Brisanz der Angelegenheit aus verschiedenen Perspektiven thematisiert wurde. Eine solche Runde, die auch interessierten Schülerinnen und Schülern die Zwiespältigkeit des Angebots wenigstens ansatzweise bewusst machen konnte, wird seit einiger Zeit nicht mehr durchgeführt – aber auch andere Konsequenzen sind seitens der Veranstalter nicht aus der Diskussion gezogen worden.

Die Bundeswehr, so die Position der GEW,  ist eben kein „ganz normaler Arbeitgeber“: Ihre Tätigkeit beinhaltet Kampfeinsätze in Krisengebieten, deren Folgen für die Beteiligten nicht absehbar und oft mindestens traumatisierend sind. Hier wird jedoch bei Jugendlichen, die in ihren weltanschaulichen Haltungen noch Orientierung suchen und die Tragweite von Militäreinätzen – auch für die eigene seelische Verfassung – nicht einschätzen können, ein Arbeitsplatz mit viel Technik und Abenteuer vorgeführt, der jedoch in Wahrheit ganz andere Dimensionen beinhaltet. Das ist aus Sicht der GEW auf einer Berufswerbeveranstaltung für Jugendliche nicht vertretbar! Sogar der UN-Ausschuss für Rechte von Kindern hat Kritik an einseitigen Werbekampagnen bei Minderjährigen in Deutschland geübt.

Die GEW Bochum wendet sich schon lange entschieden gegen den zunehmenden Einfluss der Bundeswehr auf die inhaltliche Gestaltung des Unterrichts und der Lehreraus- und Fortbildung, wie sie in den Kooperationsabkommen zwischen Kultusministerien und Bundeswehr deutlich werden. Werbeversuche der Bundeswehr an Schulen und auf Berufsbildungsmessen werden von der GEW abgelehnt.